Um die ganze Sache
interessanter zu gestalten, schoben wir einige Busse usw. zu einem
Crash zusammen. Das Ganze nahm beinahe bedrohliche Züge an als
wir ein wenig Feuer hinzufügten und eben eine Straße.
Wir parkten unsere Karossen auf dem Seitenstreifen, wie Gaffer oder
Polizei.
Während wir verschiedene Szenarien gedanklich durchspielten,
die beliebten was-wäre-wenn-Geschichten, hatte ich einen,
hm....sagen wir mal Geistesblitz. Warum nicht mit den Mitteln, die
Secondlife bietet, die Geschichte dieses Unfalls erzählen?
Zunächst mal, wie könnte es in Secondlife zu einem
solchen Unfall kommen? Fliegen, Teleportieren usw. da kann es
eigentlich keine Karambolage mit ernsten Folgen geben. Was
wäre aber, wenn....
Wir malten uns die wildesten Geschichten aus und ich dachte erst daran,
so eine Art Fotoroman zu machen, aber dann fielen mir die Videos von
Torley Linden ein. Hey, was der kann, das kann ich schon lange!
Aber wie zum Geier macht der das? Also recherchieren, recherchieren,
recherchieren. Reicht die mir zur Verfügung stehende Hardware
aus? Welche Software brauche ich? Läuft die unter meinem
Betriebssystem? Wie hoch sind die Kosten, für Anschaffungen in
diesem Bereich? Alles Fragen, die vom Eigentlichen erst
einmal ablenken, die Antworten auf selbige jedoch erst die Grundlage
schaffen, eine Idee mehr oder weniger gut umzusetzen.
Gleichzeitig überlegten wir, welche Story wir
überhaupt haben. Nun, eigentlich keine. Was von vornherein
feststand, war, dass wir, also Nicky und ich, die Hauptrollen spielen
und natürlich die Guten sind. Dazu musste ein
Bösewicht her.
Viele Ideen wurden geboren und verworfen, schließlich
erschien es mir am Einfachsten, ein wüste Mischung
verschiedener Filmgattungen und Kategorien zu machen, um den
Möglichkeiten die SL bietet auch nur in kleinster Weise
gerecht zu werden.
Zudem wollte ich möglichst wenig an harter Währung
investieren, einfach um zu schauen, wie weit Fantasie und Improvisation
ausreichen, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen und
natürlich ging es auch nicht darum, irgendwas kommerzielles zu
machen, in wie vielen Kinos würde schon ein abstruses SL Video
laufen.
Als Konsequenz, nicht nur daraus, ergab es sich, dass wir einen Film
machen würden, ähnlich diesen kleinen aber manchmal
feinen, manchmal aber auch abstrusen, B-Movies der 1950er Jahre.
Da ich ein wenig von Filmen, Filmtheorie usw. verstehe und entsprechend
viele Filme kenne und gesehen habe, entschloss ich mich
möglichst viele Filme zu zitieren.
Irgendwie habe ich dann eine Storyline entwickelt, die von unserem Zu
hause in die Weiten des
Grid führen musste. Was bot sich da
näher an, als eine Jagd? Eine Jagd nach einem MacGuffin,
verfolgt von Polizei, Geheimorganisationen und einem gigantischen
Oberbösewicht. Mit etlichen Fragen und Rätseln, die
auf dem Weg zum finalen Showdown gelöst werden
müssen. Oder auch nicht, siehe B-Movie....
Da es zwei Hauptrollen gab, musste es zwangsläufig eine Art
Buddymovie werden, was dann tolle Möglichkeiten des
Spannungsaufbaus bietet, Guter Cop – Böser Cop,
Doof-Schlau etc., mehrere Handlungsbögen, wenn sich die Wege
der Buddys zwischenzeitlich trennen.
Eine nicht ganz unwesentliche Frage war, wie soll es denn nun werden,
ernst oder nicht? Klare Antwort, so überhaupt nicht ernst.
Sicherlich ist es schön und wichtig, ernste Filme zu machen,
Filme, die zum Nachdenken anregen. The Hunt sollte einfach nur
unterhaltsam sein und zeigen, welche Möglichkeiten SL bietet,
um selbst etwas zu machen, ohne großen Aufwand eine Message
rüber zubringen, egal in welche Richtung sie auch geht. Das,
so scheint es, ist mir gelungen und darauf bin ich auch ein wenig Stolz.
Schnell war klar, dass The Hunt ein Mehrteiler werden würde,
da es kaum möglich ist, mir zumindest, meine
übersprudelnden Ideen in zehn Minuten zu verwirklichen (Zehn
Minuten ist die maximale Länge, die bei Youtube ein
Video haben darf) . Zu meinem Leidwesen musste ich dann die einzelnen
Kapitel noch einmal in Unterkapitel aufteilen.
Als ich soweit war, einen Rohentwurf des Drehbuchs für einen
ersten Teil zu haben, ein wenig von der Technik des Aufnehmen verstand,
mit der Software einigermaßen klar kam, stellte sich heraus,
dass es ohne Unterstützung gar keine Jagd geben
würde. Erstens konnte Nicky und ich kaum alle Rollen, die sich
mittlerweile herauskristallisiert hatten, selbst spielen und zum
Zweiten fehlte es an Drehorten, möglichst lagfrei. Dann
mussten auch noch jede Menge Kulissen erstellt werde, wie sich kurze
Zeit später herausstellte.
Was
Lag also näher, sich gar nicht erst mit unseren FL
aufzuhalten, sondern direkt einen Aufruf in Slinside zu starten?
Immerhin die größte deutsche Secondlife Community,
erreicht man so eine Menge Residents. Der Erfolg war
überwältigend, gerade so als hätten die User
nur darauf gewartet, in einem drittklassigen Film eine Rolle
übernehmen zu dürfen. Die Auswahl gestaltete sich gar
nicht so schwer, obwohl ich keinen der User im eigentlichen Sinne
kannte. Da schon zu diesem Zeitpunkt klar war, das The Hunt sich
über einige Kapitel erstrecken würde, gab es also
keine Probleme, immer wieder neue Leute einzubringen.
Die Darsteller, waren und sind alle eine Klasse für sich, da
sie zum einen unentgeltlich ihren
Avatar und ihre Zeit zu
Verfügung stellten und zum anderen sich meinen
Regieanweisungen aussetzten, ohne zu wissen, wie das Endprodukt unserer
gemeinsamen Anstrengungen aussehen würde. Zeit, die Darsteller
einmal kurz vorzustellen:
Allen voran Die Witwe, dargestellt von Narina Cortes. Ein echter
Glücksgriff. Narina ist sich für nichts zu schade und
immer, na ja meistens, ernsthaft bei der Sache. Sie ist der
Shootingstar des Projekts und eine heiße Anwärterin
auf einen noch zu vergebenden Dings. Eigentlich nur dazu gedacht, die
Dinge ins Rollen zu bringen, hat sich der Charakter
verselbstständigt und wird bis zum Ende immer wieder
auftauchen.
Geister Pfeffer stellte sich und sein
SIM spontan zur
Verfügung. Er stellte den ersten toten Avatar in The Hunt dar.
Zwar nur eine Nebenrolle, aber die zappelnden Beine und das Geister
dermaßen lange die Luft anhalten kann, wird ewig unvergessen
bleiben.
Im zweiten Kapitel traten Adriana Kuramoto, Xenos Yifu und Reinhold
Apfelbaum freundlicherweise als tote Avatare auf, die stunden- und
tagelang auf einem kalten Betonboden ausharren mussten, bis alle Szenen
im Kasten waren.
Reinhold Apfelbaum spielte zudem eine weitere Rolle, die des Bullen
(von T...) vom Grid. Narina Cortes spielte wieder auf ihre
unvergleichliche Art Die Witwe. Wie zuvor die Witwe, entschloss ich
mich spontan, den Bullen vom Grid bis zum Ende immer wieder Auftreten
zu lassen.
Kapitel Drei brachte so einige neue Gesichter, zunächst,
Ladies first, Lollo Hienrichs, als messerschwingende, blonde
Chief of Bartertown, die eigentlich nur Kaffee kochen kann, einfach
göttlich.
Dann Emilie Ceawlin, die als blonde Polizistin, sowie als blonde
Verhörspezialistin ebenfalls ein Doppelrolle spielte und sich
nicht zu schade war, sich von mir eins mit dem Nudelholz über
braten zu lassen, Klasse!
Walt Faulds, meine Wunschbesetzung für den
Hehler/Schwarzmarkthändler, einfach Super! Walt sagte spontan
zu, ohne dass er wusste, worauf er sich einließ.
Auch der Bulle vom Grid hatte in Kapitel drei einen Einsatz. Es macht
immer wieder ungemein Spaß mit Reinhold zusammenzuarbeiten.
Experimentell kamen zwei Kunstfiguren im dritten Teil vor, zum einen,
ebenfalls eine Blondine, die Nachrichtensprecherin Doofi Noob, gespielt
von Nicky Balogh und von mir mit einer Stimme versehen und Klaus Honk,
ein Viech,irgendwo in Bartertown hausend, das den Part des Deep Throat,
des allwissenden, aber in Rätseln sprechenden Ratgebers
übernahm.
Last but not least, Nicky Balogh und meine Wenigkeit in den
Hauptrollen. Wir wissen selten was wir tun, aber dabei geben wir unser
Bestes.
War das erste Kapitel noch ein just-for-fun-Projekt, schnell und
hektisch abgedreht, ist die Entwicklung bis hin zum dritten Kapitel
langsam etwas monströs geworden. Der Aufwand gestaltet sich
mittlerweile riesig. So haben die Kulissen im dritten Teil die 1000
Prim Marke locker überschritten.
War das erste Kapitel mit 5:43 Minuten eher Durchschnitt, ist das
Dritte mehr als 32 Minuten lang, in vier Unterkapitel aufgeteilt.
Der zeitliche Aufwand ist immens, etwa eine 90 Minuten pro zusehender
Filmminute. Zunächst das Drehbuchschreiben und das eigentliche
Aufnehmen der Szenen. Dann die Nacharbeit.
Schnitt, Übergänge, Sound und Musikrecherche, Titel
etc. Hatte ich Anfangs das Storyboard im Kopf, reicht auch das
mittlerweile nicht mehr aus und ich erstelle mir ein, zumindest
rudimentäres, auf Papier.
Damit es keine rechtlichen Probleme gibt, greife ich auf frei zu
verwendende Sounds und Musikstücke zurück, die aber
leider noch recht dünn gesät sind, sodass sich die
Musik in The Hunt häufig wiederholt, was aber, so man nicht
alle Kapitel hintereinander ansieht, kaum auffällt. Hoffe ich.
Obwohl die Kapitel vier und fünf schon als Drehbuch
existieren, geht The Hunt aus oben genannten Gründen erstmal
in die Pause. Man kann es auch als künstlerische Pause
betrachten, so man das Projekt in irgendeiner, wahrscheinlich sehr
schrägen Art, als Kunst betrachten möchte.
Ich muss zunächst einmal neue Möglichkeiten
erforschen und auch das eine oder andere Projekt, das mir am Herzen
liegt, jetzt realisieren.
Ich hoffe, das es allen am Projekt Beteiligten genauso viel
Spaß gemacht hat wie mir und sich Niemand vorgeführt
oder lächerlich gemacht fühlt, denn das lag nie in
meiner Absicht.
Ein fettes Dankeschön an alle Darsteller und all Diejenigen,
die das Projekt hinter der Kamera unterstützt haben und weiter
unterstützen und insbesondere an Nicky.
Abschließend bleibt zu sagen, The Hunt wird definitiv
fortgesetzt, nur der Zeitpunkt ist noch offen.
...all systems down....