Den Begriff
Heimstein zu definieren ist eine schwierige, wenn nicht gar
unmögliche Aufgabe.
Goreaner betrachten ihre Städte fast wie lebendige Wesen. Sie
sehen ihre Stadt als Einheit mit einer Geschichte, Tradition, Erbe,
Bräuchen, Riten, Charakter und Hoffnungen.
„Aus“ einer Stadt zu sein, vermittelt ein
Gefühl von Unsterblichkeit, auch wenn Goreaner wissen, dass
selbst eine Stadt zerstört werden kann. Diese Liebe zu ihrer
Stadt wird dem Heimstein zu Teil, der in vieler Hinsicht die wahre
Seele einer Stadt ist. Der Heimstein ist ein wichtiges Symbol von
Souveränität und Territorium. Selbst der Ausdruck
„Gor“ bedeutet Heimstein in allen Sprachen des
Planeten Gor. Ein Heimstein ist ein echter Stein und kann verschiedene
Formen, Größen und Farben besitzen und aus
unterschiedlichen Materialien bestehen. Es gibt keine Vorschriften
dafür und ein Heimstein kann auch ein ganz einfacher
Felsbrocken sein. Ein Heimstein kann auch ein kompliziert geschnittener
Stein sein, wertvoll, während andere nur einen einfachen
Buchstaben tragen, meist den Anfangsbuchstaben der Stadt.
Weil in dieser Welt ein Kastensystem herrscht, ist es wichtig, dass
sich jeder seiner Kaste entsprechend kleidet. Da gibt es die Obrigkeit
der Stadt, insbesondere den Ubar, den man wie eine Art
Bürgermeister von hohem Rang ansehen kann. Dann gibt es die
Freien Frauen, die alles machen dürfen, sich aber zum Schutz
und als Zeichen ihrer Würde kleidungsmäßig
bedeckt halten. Freie Frauen von hohem Rang tragen dazu einen
Gesichtsschleier und Frauen von niederem Rang, wie ich, die
Töpferin, brauchen das nicht unbedingt in Talbot –
wohl aber, wenn sie auf Reisen gehen. Dann gilt das Gesetz des
jeweiligen Gebietes. Die Sklavinnen und Sklaven tragen sehr einfache
Kleidung oder Silks. Die Sklaven grüßen zuerst,
nachdem sie die Erlaubnis ihres Herrn oder ihrer Herrin erhalten haben.
Der ranghöchste Anwesende wird zuerst
gegrüßt, aber meist nicht mit seinem Namen sondern
mit seinem Amt.
So heißt es in Talbot dann: Tal Ubar! Tal Lady! Es sei denn,
sie sind einem persönlich vorgestellt worden und man kennt
sich.
Da es in der Stadt dieser Tage sehr ruhig war, und genug Töpfe
vorrätig, beschloss ich, die Nachbarstadt zu besuchen. Ich
erkundigte mich nach deren Kleidungsvorschriften und legte einen
Gesichtsschleier an. Am Stadttor angekommen, bat ich die wachhabende
Kriegerin höflich um Einlass und wanderte dann durch die
Straßen, an verschiedenen Wohn- und
Wirtschaftsgebäuden vorbei. Alles war sehr komfortabel
eingerichtet und es gab schöne Gasträume in denen
Erfrischungen und Stärkung für die Gäste
bereitgestellt waren. Ich ruhte mich in einem dieser prächtig
eingerichteten Räume von der Reise aus und trank einen
heißen black wine, was so etwas wie Kaffee ist. Mein blick
wanderte über die Theke, die voller Getränke war: Da
gab es Paga, eine Art Whiskey, ka-la-na, eine Art trockener Rotwein,
von dem es heißt, er habe auf Frauen die Wirkung eines
Aphrodisiacums, und natürlich die traditionellen
Getränke wie Meet, der aus fermentiertem Honig gemacht wird
und ale, eine Art Bier – nur um einige zu nennen, die dort
standen.
Nachdem ich ausgeruht hatte, wanderte ich weiter durch diese Stadt, die
eher einer Festung glich, denn sie war von einer hohen Mauer
umschlossen, und gelangte in die Bibliothek. Ich nahm mir ein Buch und
ließ mich auf einem Divan nieder, um zu lesen. Kaum aber
hatte ich eine Seite gelesen, hörte ich die Schreie einer Frau
und die brüllenden Befehle eines Mannes. Hochgeschreckt ging
ich vorsichtig hinaus, um zu sehen, was da los war. Vorsichtig
näherte ich mich dem Nachbargebäude, aus dem der
Lärm kam, denn ich war ja nur Gast hier. Nur einen kleinen
Blick konnte ich werfen, bevor die schweren Tore geschlossen wurden,
aber er war lang genug, um zu erkennen, dass eine Sklavin von einem
Krieger eingefangen worden war und nun zur Strafe ausgepeitscht werden
sollte. Erschrocken eilte ich nun aus dieser Stadt zu meinem Boot am
Ufer zurück. Auf halbem Wege wurde ich von einem Pfeil
gestreift, und ich konnte nicht ausfindig machen, woher er kam. Aber
das bewirkte, dass ich nun sehr schnell zu meinem Boot rannte und auf
dem Wasser das Weite suchte. Der Arm blutete, aber die Wunde war zum
Glück nicht groß. Ich riss ein Stück Stoff
vom Rocksaum meines Kleides ab und umwickelte meinen Arm damit. Als ich
an einem großen Schiff vorbeifuhr, winkte man mir. Als die
Seeleute erfuhren, dass ich verwundet sei, boten sie mir an, mir zu
helfen und mich nach Hause zu bringen. Vertrauensselig, wie ich war,
ahnte ich nichts Böses und ging an Bord. Das aber sollte kein
gutes Ende nehmen… aber davon mehr beim nächsten
Mal.
Für heute sage ich: Be well!